Williams-Jones, Brynde Laat, SonyaHunt, MatthewRochon, Christiane2019-09-252019-09-252015-06-2220152199-4129http://hdl.handle.net/20.500.12424/223705Bei internationalen Einsätzen finden militärische, humanitäre und entwicklungstechnische Missionen oft parallel statt. Deshalb kommt es häufig zu einer Überschneidung und manchmal auch zu einer Kollision der Rollen, die das militärmedizinische Fachpersonal (Ärzte, Krankenschwestern, medizinische Assistenten und verwandte Berufsgruppen) zu erfüllen hat. So kann es vorkommen, dass militärmedizinische Fachkräfte gleichzeitig oder zeitversetzt als Ärzte, Soldaten und Entwicklungshelfer fungieren müssen. Dies kann zu komplexen ethischen Konflikten führen, die weit über die in der Medizinethik üblicherweise genannten Fälle hinausgehen. In solchen Situationen mögen die Grundsätze der Medizinethik zwar gelten, erfahren jedoch je nach den jeweiligen internen und externen Einflüssen und Wahrnehmungen der verschiedenen Akteure eine unterschiedliche Gewichtung. So kommen die Aspekte Triage und angemessene Zuteilung der Ressourcen, Behandlungs- und Pflegestandards, Einwilligung nach Aufklärung der Patienten, Patientenautonomie und der Schutz und die Förderung der Menschenrechte je nach Situation unterschiedlich stark zum Tragen. Noch deutlicher zutage treten diese Fragen bei bewaffneten Konflikten, in denen das militärmedizinische Fachpersonal sowohl die Interessen der Patienten als Auch der Soldaten zu berücksichtigen hat. Oft stehen die Mediziner unter dem Druck, an medizinischen Hilfsaktionen teilnehmen zu müssen, um das Vertrauen der Bevölkerung vor Ort zu gewinnen, oder sie fühlen sich genötigt, Soldaten auch in zweifelhaften Fällen für kampftauglich zu erklären, die Privatsphäre der Patienten zugunsten militärischer Zwecke zu übergehen oder Soldaten, Kämpfer und Zivilisten gegen deren Willen zu behandeln. Arbeiten die Streitkräfte mehrerer Nationen mit ihren jeweiligen Verhaltensregeln und Verfahren bei Einsätzen zusammen und greifen dabei auf eine gemeinsame medizinische Infrastruktur zurück, erhöht sich automatisch die Eintrittswahrscheinlichkeit ethischer Dilemmata. Entsprechend stellt sich die Frage nach der moralischen Verantwortung militärmedizinischer Fachkräfte in bewaffneten Konflikten: Welcher Institution oder welchem Beruf sind sie vorrangig zur Loyalität verpflichtet? Welchem Berufsethos sollten sie folgen? Wie sollten sie sich verhalten, wenn sie mehrere, einander teilweise entgegenstehende moralische Verpflichtungen zu beachten haben?gerWith permission of the license/copyright holdermedical ethicshealth ethicsmilitary ethicsdilemma, ethicalbioethicsGlobal ethicsPolitical ethicsPeace ethicsBioethicsMedical ethicsHealth ethicsEthische Spannungen in Einsätzen – Erfahrungen von kanadischen MilitärärztenArticle